Freitag, 2. Dezember 2022

Tag 43 - Wenn sich die Temperatur halbiert und der Ausflug nach Kawagoe

 Hallo Zusammen,

es ist so kalt geworden! Wirklich von gestern auf heute hat sich die Temperatur in Tokio halbiert. Waren es gestern gut 20 Grad, sind es 11 Grad, gefühlt durch den Wind höchstens 9 Grad. Pünktlich zum Start des Dezember quasi. Hartes DISLIKE von mir!

Aber was will man da machen? Also warm angezogen und auf ging es in Richtung Kawagoe. Kawagoe ist eine Stadt ähnlich groß wie Aachen und ist oft unter den Titel "Klein-Edo" bekannt, da hier ein Großteil der Atmosphäre aus der Edo-Zeit geblieben ist. Hier sieht man viele ältere Häuser aus eben dieser Zeit.

Kawagoe ist nur ca. 45 Minuten mit dem Zug von Tokio entfernt, also ein Katzensprung quasi, der Nahverkehr hier ist ja immer pünktlich. Dachte ich. Und dann passiert es. Mein zweiter von drei Zügen hat doch unverschämte 5 Minuten Verspätung! Dadurch verpasse ich sogar den dritten Zug. Man ist so verwöhnt in Japan, wenn die Deutsche Bahn nur 5 Minuten zu spät wäre, das wäre ein Traum. Nun jedenfalls, muss ich dann nochmal ca. 8 Minuten auf einen anderen Zug warten der mich dann aber ohne weitere Umschweife nach Kawagoe bringt.

Da es zwar kalt aber trocken ist, beschließe ich die gut 1,2 km zum ersten Tempel zu Fuß zu laufen. Mein Weg führt mich durch eine süße Einkaufsstraße, es ist nicht viel los, es ist schließlich Donnerstag Vormittag/Mittag und eher kalt. Und dann fängt es an zu nieseln. Wieso?! Der Wetterbericht hat einfach NICHTS davon gesagt und ich habe natürlich keinen Regenschirm dabei. Und weit und breit ist hier nun auch kein Geschäft mehr wo man mal für einen Regenschirm gucken könnte. Mit meinem Rucksack als Regenschutz schaffe ich es zur ersten Station zum Kita-In Tempel.










Es handelt sich hier um einen buddhistischen Tempel (Tempel = Buddhismus; Schrein = Shintoismus). Der Kita-In ist besonders bekannt da er einmal Teil der Haupthalle des Original Edo Schloßes war. Das Schloß Edo war die größte Burg Japans und mehrere Kilometer groß. Sie zerfiel aber größtenteils nach 400 Jahren im 19. Jahrhundert und nach vielen Schlachten und Bränden.

Heutzutage ist sie aber gerade deswegen ein beliebter (Touristen-)ort, Kawagoe hat auch den 2. Weltkrieg gut überstanden und so kann man hier tatsächlich wirklich alte Geäude bewundern.









Einen Steinwurf entfernt, nur die alte Straße der Händler runter wartet auch schon eine nächste wunderschöne buddhistische Tempelanlage:






Hab mich nach diesem Foto fast auf die Schnauze gelegt , da hatte ich echt Glück im Unglück uiuiui





Mich zieht es nun aber noch weiter zu einem Shinto-Schrein: Der Hikawa-jinja Schrein.






Der Hikawa-Schrein soll vermutlich aus dem 6. Jahrhundert stammen und ist neben seinem riesigen Eingangstor auch als Schrein für Liebe und gute Beziehungen bekannt und sehr beliebt, besonders bei jungen Damen. Dies spiegelt sich auch den Wunschtafeln wieder, hier gab es absolut keinen Platz mehr für mehr Wünsche:



Ich verweile ein wenig hier, gönne mir eine lokale Spezialität (eigentlich  ist Kawagoe für Süßkartoffeln bekannt, ich habe aber mehr Lust auf Anko (mal wieder) und beobachte eine kleine Aufführung:


Langsam wird mir aber hier draußen wirklich kalt und ich beschließe mit dem Bus die Rückreise in Richtung Bahnhof anzutreten. Es fängt wieder an zu nieseln und auf eine halbe Stunde Fußweg ohne Schirm habe ich nicht so viel Lust, haha :D

Den Rest des Nachmittages verbringe ich mit Souvenirshopping und ich bin noch einmal kurz in Ikebukuro um mir nochmal ein neues Plinfa-Pokemon-Tuch zu kaufen, das ich ja vorgestern wohl verloren habe. Ich werde ein wenig wehmütig. Das ist vermutlich das letzte Mal, das ich hier sein werde. Ich mag Ikebukuro (und das Pokemon Center, hahaha). Wahnsinn, wie schnell die Zeit doch herum geht.. nur noch wenige Tage..


Abends koche ich mir noch Maccha-Soba und da die Portion für eine Person einfach nicht satt macht, zieht es mich noch in ein Cafe oberhalb des Bahnhofes hier in Koenji und ich esse Süßkartoffeln (auch als Eisform) im Crepe. War echt sehr lecker!!


Liebe Grüße! Genießt die Zeit in Ruhe ohne mich, harhar

Schlüsselwort:

やきいも

yaki-imo

jap. Süßkartoffelsnack



Donnerstag, 1. Dezember 2022

Tag 42 - Viel gemacht aber nicht viel zu sehen

 Hallo Zusammen,

manchmal sieht die Welt nach ein bisschen schlaf wieder anders aus, wer kennt es nicht. Obwohl heute viel passiert ist, kann ich aber (noch) nicht so viel zeigen.

Heute stand eine weitere AirBnB-Experience an: Ein Videoshooting. Ja. Ich bin darüber gestolpert, hatte dann Beispielvideos gesehen und mir gedacht "das musst du eigentlich auch mal machen". Gedacht und Getan hatte ich dann so ein Shooting gebucht vor ein paar Wochen. Es ist nun mein sechster Besuch in Japan und wirkliche Videoaufnahmen auf denen man mal selbst auftaucht hat man ja nicht, wenn man alleine reist wie ich ("Forever alone" sag ich nur), sowieso nicht.

Ich lasse es morgens also langsam angehen, packe meinen Koffer weiter, es sind jetzt nur noch ein paar Tage und langsam traue ich mich ein wenig auszumustern und auch schon Klamotten einzupacken die ich definitiv nicht mehr tragen werde (ich hoffe, ich entscheide mich nicht mehr um, ich bin da sehr wankelmütig manchmal). Mit meinem heutigen Outfit bin ich nicht ganz zufrieden, ich hatte gestern noch nach einem passenden Oberteil gesucht und bin nur bedingt fündig geworden, naja, das muss es nun tun.

Outfit of the day


Ich fahre ca. eine Stunde früher schon Richtung Harajuku los, es ist nicht sehr weit von meiner Unterkunft, nur 20 Minuten. Obwohl ich im Lolita-Outfit unterwegs bin, werde ich nicht mehr angesehen als sonst. Die Tatsache das ich nicht-japanisch aussehe, erregt eher Aufsehen als das was ich dann letztlich trage. In Harajuku merke ich das mein Unterrock rutscht. Ich habe keinen richtigen Petticoat hier und improvisiere für den "Poof" mit Unterröcken.. also geht es auf eine der zahlreichen und sauberen öffentlichen Toiletten um sich zu kramen.


Aussicht am Treffpunkt

I love it

Oh?! Tatsächlich noch ein Kyary Pamyu Pamyu Poster am Bahnsteig in Harajuku gefunden!


Pünktlich um 14.30h taucht Yosuke dann am Treffpunkt auf und wir gehen zum Yoyogi Koen als erste Station. Herbst ist einfach eine tolle Jahreszeit in Japan und wir haben richtig Glück mit dem Wetter. Gestern hat es ja stark geregnet und heute ist es zwar bedeckt, aber trocken bei fast 20 Grad. Der letzte warme Tag übrigens. Die nächsten Tage werden es höchstens 10 Grad! Als nächstes geht es dann nach Harajuku zurück, durch die Takeshita Street/Dori. Hier ist das shooten etwas schwieriger, es sind einige Leute unterwegs. Letzte Station ist dann Shibuya Crossing und Yosuke filmt immer wieder auf dem Weg. Anstatt eine Stunde waren wir gut zwei Stunden unterwegs, ich weiß nicht, ob das normal ist oder ob er einfach mehr Material braucht um hinterher 3-5 Minuten zusammenzukriegen, hahahaha. Das Ergebnis kriege ich in den nächsten Wochen dann.. ob ich das Video zeige..? Weiß ich noch nicht. Ich muss sagen.. Videoshooting ist anstrengend.. man ist ja permanent unter Beobachtung.. bei einem Foto zählt der Moment, die Sekunde, beim Video halt länger.. neee, das war schon komisch. Irgendwie cringe. Hahaha.

Während wir auf Shibuya Crossing die letzten Sekunden drehen, beobachtet uns eine Dame. Yosuke und ich verabschieden uns und dann kommt sie auf mich zu. Ich hab direkt ein nächstes Shooting. Mehr artistisch, weniger Potrait! Aber Fotos! Das ist ok! Und voll cool, auf Shibuya Crossing. Die Fotos kriege ich dann auch in der nächsten Zeit. Und das kostenlos, hahaha. Die Dame stammt aus Griechenland und ist mit ihrem Mann wegen seiner Arbeit nach Tokio gezogen. Sie arbeitet nun als freiberufliche Fotografin u. a. für Magazine.

Update, 4 Stunden später: Hab ein erstes Foto bekommen

 



Nach dem Shooting nach dem Shooting bin ich noch fit und beschließe Richtung Sky Tree zu fahren. Dort gibt es auch eine ShoppingMall und ich war in der Ecke von Tokio einfach noch gar nicht diesmal.

Es ist erst etwas verwirrend, um den SkyTree herum gibt es viele Buildings die dann noch einmal in East und West Yard unterteilt sind und man muss schon schauen, welchen Aufzug man dann wo nimmt da man nicht auf jeder Etage zu jedem Abschnitt kommen kann. Ich mache schließlich einen Abstecher zum Pokemon Center dort, aber es gibt auch viele andere Character-Shops:

Als kleine Erinnerung an den Besuch direkt mal einen Stanzen lassen





Und nun noch andere Shops:










Sehr schön ist hier auch das Äußere Design, schon in Holz gehalten!

Mich verschlägt es schließlich noch zu Plattform vor dem SkyTree. Ein kleiner Weihnachtsmarkt tummelt sich hier, sogar mit deutschen Sachen (Brezeln, Bier .. was sollte es auch anderes sein?!). Ich genieße das kleine Lichtermeer und beschließe dann nach Hause zu fahren. Ich bin müde, hungrig, es wird kalt und meine Füße schmerzen. Als seien Lolita-Schuhe nicht für 16.000 Schritte gemacht :D







Morgen wird es etwas traditioneller (denke ich) und mit mehr oder aussagekräftigeren Fotos (hoffe ich).

Nur noch 4 Tage...

Liebe Grüße in die Heimat!


Schlüsselsatz:

おもいこそがきみをつよくするのだよ。

omoi koso ga kimi wo tsuyoku suru no da yo

Gefühle sind das was dich stärker machen / gefühle zulassen macht dich stärker


Mittwoch, 30. November 2022

Tag 41 - Mit dem falschen Fuß aufgestanden

 Hallo Zusammen,

gestern war einer dieser Tage, die man schonmal hat. Irgendwie geht alles schief und anscheinend bleiben einen diese Tage auch im "Urlaub" nicht erspart.

Gestern war als einziger fester Programmpunkt eine kleine Einführung in die Welt der Teezeremonie geplant. Diese war erst um 13h, daher nahm ich mir die Zeit die "Gegend" drumherum dort zu erkunden. Klar, ich bin auch gerne an den großen Hotspots unterwegs aber ich bin eigentlich total neugierig auf diese kleineren, lokaleren Ecken und stöbere gerne in alten Läden und bummel durch kleine Straßen. Praktischerweise war in der Nähe der Gegend auch ein Tempel der für Gesundheit und Heilung steht. Das stand ja sowieso noch auf meiner "To Do"-Liste.

Es ging also zum Kogan-ji Temple (Togenuki Jizoson (Togenuki = Dornenentfernung)).









Gemäß der Legende, sollen Schmerzen geheilt werden indem man ein Stück Papier/Tuch an der Statue des buddhistischen Mönches reibt. Dies gilt nur für Schmerzen die man selbst hat. Am Altar können Wünsche auch für andere gelassen werden. Außerdem kann man hier Amulette erwerben für die Linderung verschiedener Arten von Schmerzen oder zum Schutz vor z. B. Katastrophen.

 Und auch hier.. die Tempelanlage liegt inmitten einer kleineren Einkaufsstraße mit diversen Läden und ist wieder ein Ort der Ruhe und Zuversicht. Ich liebe es.

Langsam wird es Zeit den Ort/das Haus für die Teezeremonie zu suchen. Ich bin ja gerne überpünktlich, sehr deutsche Eigenschaft von mir. Ich lasse GoogleMaps sein übliches tun.. aber.. irgendwie.. finde ich das Haus nicht.. es ist 12:45h.. mist.. ich schaue mir die Adresse an die geschickt wurde.. ja ist richtig... dann noch ein PDF-Guide mit Wegbeschreibung.. hier ist die Adresse ein bisschen anders.. es ist noch ein "-4" in der Blognummer hinten dran.. oh man.. ich bin also mindestens vier Blöcke entfernt. Der PDF-Guide spricht auch von einem anderen Ausgangsbahnhof. Das kann doch nicht wahr sein. Ärgerlich! Richtig ärgerlich. Ich komme zu spät. Ich schreibe also und mache mich auf dem Weg. Bin natürlich gestresst. Ich ärgere mich über mich selbst aber auch darüber das mir zwei verschiedene Adressen geschickt werden. 

Am Haus angekommen, erwartet mich Mari, die Teezeremoniemeisterin. Es ist nun 13.10h. Es geht also noch, aber ich hasse es zu spät zu sein. Und Japaner hassen es auch. Die Stimmung ist anfangs auch etwas distanziert. Ich werde aber in die Kunst der Teezeremonie eingeführt. Und "Kunst" trifft es wirklich. Nicht ohne Grund muss man den Akt einer Teezeremonie lernen. Wie faltet man das Tuch, wie isst man die Süßigkeit, wie bereitet man den Tee zu, wie nimmt man was in die Hand, welche Reihenfolge.. ich beobachte aufmerksam und darf in der nächsten Runde dann selbst alle Schritte vornehmen. Mari ist sehr geduldig und ich muss auch sagen, das einzige was heute wirklich ganz gut klappt ist, wie ich mich bei der Zeremonie anstelle. Bin ehrlich gesagt von mir selbst überrascht das ich die Abläufe so gut hinkriege, ich bin ja eigentlich sehr ungeschickt und dämlich. Die Stimmung lockert sich und Mari gibt mir noch 1-2 Empfehlungen für die Gegend. Eigentlich würde ich gerne sagen, das sie mir wohl versehentlich zwei verschiedene Adressen geschickt hat, aber ich spare mir das weil es eh nichts bringt....



Nach der Zeremonie wollte ich eigentlich den Empfehlungen von Mari nachgehen aber es regnet unerlässlich. Danke für nichts. Der Regen war eigentlich erst für Spätabends/Nachts gemeldet, habe also keinen Schirm dabei, nur die Regenjacke. Also zieht es mich nach Ikebukuro zum SunshinePlaza, weil überdacht und weil ich noch zum ClosetChild will um zu sehen ob ich ein schönes Oberteil für morgen finde, ich hatte mir einen schönen Rock gekauft, aber habe kein so richtig passendes Oberteil. Hier laufe ich gegen eine verschlossene Tür, außerplanmäßig geschlossen, ja danke das ihr das nicht Online schreibt (ClosetChild wirbt immer damit das die ja ach so viele Infos Online haben). Ich fahre hin und her und finde in anderen Shops irgendwie auch nichts passendes. Ich bin genervt. Von der Auswahl, das Wetter (regnet und stürmt fast) und vor allen von mir. Diese ganze Luftfeuchtigkeit macht einen manchmal fertig, andauernd muss ich die Jacke an- und ausziehen da es in den Bahnen dann wieder so eklig schwül ist.. ich habe das Gefühl alles ist an mir nass..

Es weihnachtet sehr

Hier auch!


Shinjuku 

Bisschen gruselig hahaha


Ich beschließe nach Hause zu fahren. Erstmal direkt unter die Dusche dann gönne ich mir ein Pfirsisch-Drink (mit ganzen 3% Alkoholgehalt, hahahaha) und mache mir Abendessen. Kurz nach dem Abendessen merke ich, das ich mein kleines Tuch mit Pokemonmotiv (Plinfa un Co.) wohl irgendwo heute verloren habe. Ich könnte heulen, kann es aber nicht. Außerdem kriege ich Halsschmerzen. Ich bin einfach fertig mit diesem Tag.

Ich telefoniere und lege mich dann hin. Es regnet die ganze Nacht und ist mal leiser, mal lauter. Ich denke noch einmal über den Tag nach. Vielleicht habe ich auch einfach nur etwas Heimweh und (Liebes-)kummer? Und bin daher angespannter gewesen? Ich bin echt ein Blitzmerker. Nach über 40 Tagen und mit Ende der Reise in Sichtweite, und mit allen in Sichtweite was auf mich wartet (die GUTEN Dinge, die schlechten versuche ich noch auszublenden) darf ich das auch haben, denke ich mir. 

Ich freue mich, bald wieder Zuhause zu sein und genieße aber die letzten Tage hier noch sehr ^__^

Liebe Grüße!


Schlüsselsatz:

ちょだいいたします

chodai itashimasu

Danke für den Tee 

(dies sagt man als Gast in einer Teezeremonie)