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Dienstag, 2. Dezember 2025

Tag 4 - Eigentlich nur ein Kalligraphie Workshop..

 Hallo Zusammen,

 mir geht es am heutigen morgen etwas besser als gestern Abend. Der Magen/Darm ist stabil, aber der Hals und das Ohr ziehen etwas (besonders Abends tut sowas immer echt weh.. maaaaaan ich kann das grad echt nicht gebrauchen, bitte!). Heute ist aber auch nicht viel geplant: Ich habe über AirBnB eine sogenannte "Entdeckung" gebucht, eine Japanerin aus Kagoshima bietet einen Kalligraphie Kurz-Workshop inkl. Matcha und einer kurzen Meditation.

Typisch deutsch komme ich fast 25 Minuten früher an. Ich will einfach sicher gehen, wirklich am richtigen Ort zu sein, GoogleMaps und Co. haben mich in Kagoshima schon 2-3x etwas hängen lassen - super viele Busse werden z. B. nicht angezeigt (hab eben meine Gastgeberin gefragt ob keine Busse hier halten, weil nur 50m von der Unterkunft ein Bushalteschild ist,  aber die Busse fahren hier regelmäßig (2x Stündlich), sogar Richtung KagoshimaChuo / Station).

 Um kurz vor 10h kommt dann die Dame runter: Es ist Hitomi. Hitomi hat einige Zeit in New York studiert (daher spricht sie gutes Englisch) und hat u. a. von ihrem Großeltern die Kunst der Kalligraphie übernommen und bei einem anderen "Meister" offiziell gelernt. Hitomi und ich kommen direkt ungezwungen ins Gespräch und überziehen unseren Termin (eigentlich für ca. 2 Stunden angesetzt). 

Kalligraphie ist echt nicht einfach. Man braucht dafür Ruhe, Geduld und muss sich Zeit nehmen. Hitomi startet daher die Session mit einer kurzen Meditation um etwas mehr Ruhe und "Langsamkeit" reinzubringen. Kurz vorher genieße ich einen wirklich seeehr leckeren Matcha-Tee (frisch angerührt!!). Dann geht es aber auch schon ans eingemachte: Wir zeichnen los. Beziehungsweise ist es eher kritzeln bei mir. Ich bin zu schnell, ungeduldig. Das ist die wohl größte Herausforderung. Sich wirklich ZEIT zu nehmen. Erst gegen Ende der Session schaffe ich es langsam mir wirklich für jeden Strich etwas Zeit zu nehmen. Tatsächlich sehen die Kanji dann auch viel schöner aus. 


 Das ist wohl auch mit das größte Problem in unserer Zeit: Wir sind immer unter Strom, in Hektik, immer beschäftigt und immer muss alles schnell gehen. Zeit zum inne halten.. schwierig.  

Weil es so gut zwischen uns klappt, fragt sie mich, ob ich noch etwas Zeit habe und wir sind zusammen essen gegangen und sie hat mir ihre Lieblingsorte in Kagoshima gezeigt. Das klingt echt verrückt, oder? Tatsächlich hab ich nichts vor und mit dem Auto an verschiedene Orte zu fahren find ich recht schmeichelnd (: . Nach LANGEM hin und her konnte ich hier zumindest das Essen ausgeben, wir waren in einem Veganen/Organic Restaurant und es ist echt krass wie erschwinglich man in Japan gut essen gehen kann. Ich habe leider vergessen ein Foto zu machen, aber mein Set (bestand aus 6 verschiedenen Sachen, Reis, Gemüse, eingelegtes Gemüse, Suppe & Co.) hat umgerechnet 7,13€ gekostet. Wasser und Tee (geröstetes Matcha) inklusive!

 Als erstes ging es zum Kagoshima Gokoku Shrine. Es ist schon klasse, wie eindrucksvoll diese Anlagen sind wenn es nicht komplett überfüllt mit Menschen ist.

 



Als nächstes dann rüber zum Kagoshima Schrein. Hier bietet sich uns eine wahre Farbenpracht. Herbst in Japan ist einfach wunderschön:

 





Hitomi erzählt mir, das Kagoshima ein großer "Hotspot" für Samurai war. Saigo Takamori hat von hier aus den Wiederstand der Samurai angestoßen, er war gegen eine Öffnung Japan an den Westen und wollte an Traditionen festhalten. Japan modernisierte sich in dieser Zeit und entmachtete die Samurai. Obwohl die Samurai "ältere" Waffen trugen konnten sie monatelang der kaiserlichen Armee standhalten. In einer letzten Schlacht verletzte Saigo sich schwer und soll Seppuku begangen haben. 

Als letztes besichtigen wir noch einen kleinen Berg (Kagoshima liegt zwischen Bucht und Bergen und ist hügelig daher, sehr sogar) und bewundern von weiten den Sakurajima (wo ich ja gestern war, hahahaha). Hitomi ist ursprünglich dort geboren und aufgewachsen, Ascheregen und Staub ist für sie Alltag (was sie am meisten stört ist das sie die Wäsche dann tagelang nicht draußen aufhängen kann - LMAO). Sie sagt selbst, das sie es vermutlich bei einer richtigen Gefahr zu locker sehen würde und sie hofft daher, das der Vulkan weiterhin harmlos bleibt. 



 Im Nachmittag verabschieden wir uns. Ich schätze, ich muss nochmal nach Kagoshima kommen. Es gibt noch so viel zu sehen und die Leute hier sind freundlich und zeigen voller stolz ihre Stadt, ihre Kultur und hören neugierig zu. Die Atmosphäre hier ist eine ganz andere als z. B. in Tokio. 

 Wieder in meiner Unterkunft angekommen, treffe ich meine Gastgeberin (Kumi) draußen mit ihrem süßen Hund und irgendwie quatschen und lachen wir lange. Es ist vermutlich auch, weil ich gerade "einzelnd" Reise, man ist dann offener/empfänglicher für Smalltalk und das Gegenüber auch. Kumi bringt mir noch etwas zu trinken vorbei und wir verweilen noch kurz zusammen im Zimmer und labern wieder weiter. Es wird langsam dunkel und ich beschließe nochmal zum DrugStore zu gehen während Kumi weitere Gäste empfängt. 


Das war es für heute auch schon. Ich habe meinen Koffer soweit gepackt und bin bereit morgen früh nach Fukuoka weiterzufahren. Ich kann mir den Schlüssel bei Sachi auf der Arbeit abholen. Ich bin aufgeregt - ich hoffe ich kann heute schlafen. 

 

Liebe Grüße! 

Montag, 21. Oktober 2024

Tag 6 - Unbekannte Pfade!

 Hallo mal wieder,

hier ist Usai. Wir haben so gut geschlafen. :)

Es könnte heute ein etwas längerer Eintrag werden, sorry! Und auch viele Fotos (sorry?)!

Heute zieht es uns erst einmal leider früh aus dem Bett, meinen Ohren geht es gar nicht gut bzw. es wird jeden Tag schlimmer und man sah sich gezwungen, das vor dem Rückflug mal abklären zu lassen.

Arztbesuch in Japan. Dann schauen wir mal:

Ich habe mich über die Tourist Info Webseiten informiert. Hier kann man nach Standort suchen und es werden einem international zertifizierte Einrichtungen angezeigt die auch Touristen (und/oder Menschen ohne japanische Krankenversicherung) behandeln. Meistens handelt es sich dabei um Krankenhäuser.

Laut Internet verfügte das Koseikai Takeda Hospital quasi direkt an der Kyoto Station über eine HNO-Abteilung. Mit Mundschutz ausgestattet geht es rein. Erstmal in den falschen Eingang (natürlich!), dann in den richtigen. An der Rezeption werden wir direkt weiter an die Anmeldung geschickt, so weit so gut. Dann kommt sogar extra englischsprachiges Personal. PERFEKT! Aber nur um uns mitzuteilen das die HNO-Abteilung heute nicht besetzt ist. Man verweist uns an das Tourist Center (das zum Glück nur 5 Minuten Fußweg entfernt, in der Kyoto Station ist). Also dann dahin marschiert. Die engagierte Dame dort telefoniert rund zwanzig Minuten und ruft mehrere Kliniken/Ärzte an. Letztlich schafft sie es mich in einem Krankenhaus anzukündigen. Das ist nämlich in den meisten Krankenhäusern (zumindest grad in Kyoto) notwendig, auch wenn man als "Ambulant"-Patient reinkommt. Das Kyoto University Hospital ist zum Glück auch relativ zentral, quasi von unserer Unterkunft gesehen einmal durch den großen Kyoto Gyoen (wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich dort direkt hingegangen / hätte angerufen). Einen großen Dank an die engagierte Dame im Tourist Centre an dieser Stelle, die sich nicht hat abwimmeln lassen am Telefon (ich verstehe nicht, viel aber das habe ich verstanden! XD ). Weitere 20 Minuten später erreichen wir via Bus das Krankenhaus.

Etwas komisch ist einem ja schon, wenn man weiß das man einfach die Sprache nicht vernünftig spricht (ich faules Stück...).



Erst einmal ging es zur Rezeption. Nach ein bisschen hin und her schaffen wir es, das sich die Damen erinnern das vor ca. 30 Minuten jemand aus dem Tourist Center mich angemeldet hat als Patient (so viele Ausländer in der letzten halben Stunde könnens ja nicht gewesen sein). Ich bekomme ein paar Anmeldepapiere zum ausfüllen und darf mich dann am Schalter 7 anstellen. Hier werde ich dann offiziell als "Patient" aufgenommen und erhalte nach ein bisschen Wartezeit meine eigene Patienten-IC-Card, einen Etagen Guide in Englisch und darf nun zur HNO-Abteilung, in die 3. Etage.

Mit dem Etagenwechsel folgt auch der Sprachwechsel: Englisch ist hier nicht mehr bis auf den Amnesebogen, diesen gebe ich nach ausfüllen wieder ab und bekomme eine Wartenummer und wir.. warten.. und warten.. es ist doch einiges los hier:


war mehr los als man auf dem Foto sieht.

Nach einer Stunde werde ich bzw. die Nummer "935" aufgerufen. Es wird sich ein erstes Mal meine Ohren angesehen und dann werde ich nochmal rausgeschickt und muss nochmal warten für einen Hörtest. Wir sind übrigens die einzigen nicht Japaner hier, surprise.

Nach etwa 10 Minuten Wartezeit, geht es dann zum Hörtest, zum Glück ist das ja relativ selbsterklärend, ich bekomme einen Knopf in die Hand und drücke wohl, wenn ich was hören sollte.

Dann warten wir wieder eine halbe Stunde und ich kann mich nochmal den Arzt vorstellen: Der Hörtest war in Ordnung, im Ohr ist aber wohl noch eine Entzündung drin. Fliegen kann ich nächste Woche aber trotzdem. Mein gebrochenes Japanisch und Google Translate retten das Gespräch. Der Arzt drückt sich typisch Japanisch sehr vorsichtig aus "Beim nächsten Flug könnten Sie wieder Schwierigkeiten haben, vielleicht" und "bitte nehmen Sie die Schmerzmittel" und "wenn sie wieder zuhause sind, gehen sie vielleicht am besten noch einmal zum Arzt" bedeutet meiner Einschätzung nach "das wird genauso weh tun wie aufn Hinflug, baller' dich mit Schmerzmittel voll und besuche den HNO in Deutschland nochmal". Naja, Hauptsache ich kann fliegen ohne das mir offensichtlich etwas kaputt geht, hoffe ich. Auf Nachfrage meinte er das die Heilung noch 1-2 Wochen dauern könnte, aber sicherlich sind auch einige Infos bei den Übersetzungen verloren gegangen. Hoffen wir mal das alles gut geht.

Da ich nun fertig bin, darf an bezahlen. Als Tourist / als Mensch ohne jap. Versicherung ist man in der Regel Selbstzahler. Das musste ich im Vorhinein auch gefühlt 10x bestätigen.

Ich darf wieder an die Info (6) und dann eine Wartenummer ziehen um bezahlen zu "dürfen". Ich will ja nicht sagen, dass das System nicht gut funktioniert, aber wenn ich 50(!) Nummern warten (ca. 25 Minuten) um einfach an nem Ticketschalter Geld reinschieben zu dürfen und dann drei Seiten Bericht etc. zu erhalten, dann scheint mir das nicht so richtig ausgeklügelt - vor allem im Vergleich zu den sonst so effizienten und kundenfreundlichen/praktischen Japanern:

Bald irgendwann kommt der heilige Moment, meine Nummer wird aufgerufen und ich darf Geld loswerden. JUHU! (NICHT). Zum Glück habe ich eine Auslandskrankenversicherung, vergleichsweise war es nun vermutlich ein geringerer Betrag, aber allein das erstmalige Vorstellen im Krankenhaus ohne ein bestimmtes Zertifikat kostet einen in Japan schon 7,700 Yen (47€) - und dann ist noch NICHTS weiter passiert. Also liebe Mitmenschen, schließt eine Versicherung ab, das kann im Fall der Fälle sonst unglaublich teuer werden, auch was z. B. Krankentransporte etc. angeht! Danke geht an dieser Stelle an den coolsten Kumpel raus, der mich damals auf ein gutes/praktisches Angebot hingewiesen hat. (:


Nun, was nun, was nun?

Erleichtert, weil ich fliegen kann, ABER auch verunsichert weil Sprachbarriere (was wenn google und ich alles falsch verstanden haben?) - geht um 13h nun der "richtige" Tag los: Wir begehen den Philosophen Pfad!

Heute ist es regnerisch, es tröpfelt zwischendurch immer mal wieder, aber irgendwie tut das der ganzen Atmosphäre dort keinen Abbruch:







Es sind auch gar nicht sooo viele Leute unterwegs, der Philosophen Pfad ist nicht das populärste Ziel in Kyoto, uns kommt das ganz recht, wir wollen einfach etwas entspannt spazieren und das kann man entlang des kleines Baches durch Kyoto sehr gut. Es reihen sich viele süße, alte Häuschen am Pfad und der ein oder andere Schrein. Ein Highlight für uns ist der Otoyo Schrein, u. a. mit Ratten:







Wir können es uns nicht nehmen lassen uns kaufen ein "Ema" und lassen einen Wunsch da:


Hoffen wir, der Wunsch wird wahr!

Wir haben außerdem noch weitere Souvenire mitgenommen.. sie waren einfach zu schön <3
Neben Ratten gibt es hier auch einen Schrein für Schlangen und Affen:



Irgendwann können wir uns von diesem süßen Schrein lösen und kehren zurück zum Pfad. 

Hier erwarten uns süße Kätzchen, die sich nur zu gern streicheln und verwöhnen lassen:


Nekooooo


Kurz hier nach endet der Pfad auch und wir "stolpern" quasi in die nächste Attraktion: Den wunderschönen Eikando Tempel.


Wir sind etwas spät hier, um 16h. Die Anlage schließt um 17h. Aber wir zahlen trotzdem den Eintritt und.. wow.. es war jeden Yen wert. Wirklich eine der schönsten, beruhigendsten Anlagen die ich je besucht habe. Man konnte den Haupttempel auch betreten (ohne Schuhe) und frei viele Ecken erkunden. Es gab mehrere Teiche und einen Zengarten. Da wir relativ spät angekommen sind, waren auch nicht mehr so viele andere Besuche da. Das und auch das Wetter (bewölkt, immer wieder sanfter Regen) tat eventuell sein übriges zur Atmosphäre, aber seht selbst (ACHTUNG: VIELE FOTOS!):










Und das war nur das "innere". Um 16.40h ziehen wir uns unsere Schuhe wieder an und erkunden noch das restliche Gelände:











Um kurz vor 17h verlassen wir das schöne Gelände (leider) und wir essen noch etwas und besuchen einen Supermarkt. Ich werde nun aber unglaublich müde und will im Supermarkt nur noch Hause und baden und schlafen (schlafen ist mein Hobby!)

Vielen Dank an meine bessere Hälfte die den ganzen Tag mit mir durchmachen musste und die kurze, wertvolle Zeit in Kyoto teilweise in einer Klinik verbringen musste :-|

Und danke euch fürs durchhalten und lesen !!